Geschichte

Globalisierung seit 1990

10 Minuten

Der eiserne Vorhang fiel, Asien bot neue Absatzm?rkte, und Software bot neue Chancen für Bosch. Die letzten drei Jahrzehnte stehen für schnellen wirtschaftlichen Wandel, dem sich das Unternehmen stellen muss.

Zeichnung einer ge?ffneten Schranke, symbolisch für die ?ffnung Osteuropas.

Der Fall des Warschauer Paktes und die ?ffnung Osteuropas

Mit dem Ende des ?Eisernen Vorhangs“ begann für Bosch eine neue ?ra. Bis 1994 war das Unternehmen in 13 L?ndern des ehemaligen Ostblocks mit eigenen Gesellschaften vertreten. Es folgten Fertigungsstandorte: in Jihlava und Budweis in der Tschechischen Republik, in Wroclaw in Polen, in Miskolc und Hatvan in Ungarn und in Engels und Samara in der Russischen F?deration. Der Umsatz-Anteil au?erhalb Deutschlands stieg von 51 Prozent 1990 auf rund 72 Prozent im Jahr 2000.

IFA Trabant 601 in der Werkstatt des Brandenburger Bosch Car Service (1992). Der Trabant war der Standard-Pkw im sozialistischen Ostdeutschland bis 1989, und daher musste die Bosch Prüftechnik auf diesen weit verbreiteten Fahrzeugtyp abgestimmt sein.
IFA Trabant 601 in der Werkstatt des Brandenburger Bosch Car Service (1992). Der Trabant war der Standard-Pkw im sozialistischen Ostdeutschland bis 1989, und daher musste die Bosch Prüftechnik auf diesen weit verbreiteten Fahrzeugtyp abgestimmt sein.
Einer der wichtigsten Standorte der 1991 gegründeten ungarischen Regionalorganisation ist Hatvan, wo Produkte für die Automobilelektronik hergestellt werden, zum Beispiel Sensoren. (1998)
Einer der wichtigsten Standorte der 1991 gegründeten ungarischen Regionalorganisation ist Hatvan, wo Produkte für die Automobilelektronik hergestellt werden, zum Beispiel Sensoren. (1998)

Chancen nutzen – der neue Blick nach Asien

In Indien, Japan und südostasiatischen L?ndern war Bosch entweder schon lange pr?sent oder baute die Pr?senz in wachsenden M?rkten auf. Strategisch war aber vor allem die allm?hliche ?ffnung des chinesischen Marktes von Interesse. Bosch war bis 1994 nur über Lizenzen und seit 1989 mit einer Repr?sentanz in Beijing vertreten gewesen. Danach konnte Bosch auch auf diesem Markt als regionaler Produzent Fu? fassen.

Werbung für professionelle Elektrowerkzeuge für die Bauwirtschaft auf einer Plakatwand im Stra?enbild von Shanghai. (1996)
Werbung für professionelle Elektrowerkzeuge für die Bauwirtschaft auf einer Plakatwand im Stra?enbild von Shanghai. (1996)
Reklametafeln im Zentrum von Shanghai. Zündkerzen geh?ren zu den ersten Produkten, die Bosch in China fertigte. (1998)
Reklametafeln im Zentrum von Shanghai. Zündkerzen geh?ren zu den ersten Produkten, die Bosch in China fertigte. (1998)

Mikromechanische Sensoren

Eine Milbe auf mikromechanischem Sensor (MEMS) zur Verdeutlichung der Gr??enverh?ltnisse (1995)

Die kleinen Aufpasser

Den mikromechanischen Sensor hat Bosch in den 1990er Jahren für das Automobil entwickelt: Er ist wie ein Sinnesorgan, das Beschleunigung, Drehung, Druck oder Ger?usche misst. Die Informationen nutzen elektronische Steuerger?te, etwa um bei einem Unfall rechtzeitig den Airbag auszul?sen. Seit 2005 stellt Bosch auch Varianten für die Konsumelektronik, etwa Smartphones oder Spielekonsolen her. Die kleinsten MEMS sind gerade einmal 1,5 Millimeter breit. Zur Herstellung dieser Kleinstteile erfand ein Bosch-Forschungsteam das ?Plasma?tzen“. Seit 1995 hat Bosch rund 5 Milliarden MEMS hergestellt und ist heute Marktführer mit rund 4 Millionen Stück t?glich.

Foto: Eine Milbe auf mikromechanischem Sensor (MEMS) zur Verdeutlichung der Gr??enverh?ltnisse (1995)

Zeichnung einer Glühbirne mit Auto.

Von ESP bis ACC – mehr Fokus auf Innovationen

Ein technologischer Meilenstein war 1995 das Elektronische Stabilit?ts-Programm ESP?. Es verhindert das Schleudern von Fahrzeugen. Im gleichen Jahr stellte Bosch das Navigationssystem TravelPilot mit Routenführung und Sprachausgabe vor. Zu weniger Kraftstoffverbrauch trugen auch 1997 die Hochdruck-Dieseleinspritzung Common Rail und 2000 die Benzin-Direkteinspritzung DI-Motronic, zu mehr Sicherheit Fahrerassistenzsysteme wie Adaptive Cruise Control oder Night Vision bei.

Nach etwa einem Jahrzehnt Entwicklungsarbeit kam das erste Bosch Navigationssystem TravelPilot 1989 auf den Markt. 1995 kam die Routenführung mit Sprachausgabe hinzu.
Nach etwa einem Jahrzehnt Entwicklungsarbeit kam das erste Bosch Navigationssystem TravelPilot 1989 auf den Markt. 1995 kam die Routenführung mit Sprachausgabe hinzu.
Erprobung des ESP in Nordschweden (1995). Aus dem Hubschrauber wird das Testfahrzeug für eine Fernsehsendung gefilmt.
Erprobung des ESP in Nordschweden (1995). Aus dem Hubschrauber wird das Testfahrzeug für eine Fernsehsendung gefilmt.
Komponenten des Hochdruck-Dieseleinspritzsystems Common Rail (1997). In der Leiste wird Kraftstoff bei bis zu 2 500 bar für die Einspritzung gespeichert.
Komponenten des Hochdruck-Dieseleinspritzsystems Common Rail (1997). In der Leiste wird Kraftstoff bei bis zu 2 500 bar für die Einspritzung gespeichert.

Unternehmen im Wandel – neue Gesch?ftsfelder

Nach dem Verkauf der Telekommunikationssparte übernahm Bosch 2001 den Industrietechnikspezialisten Mannesmann Rexroth. Das st?rkte die Industrietechniksparte und balancierte die Unternehmensstruktur aus. Aus den verbliebenen Bereichen der Telekommunikationssparte entstand der Gesch?ftsbereich Sicherheitstechnik. Die Thermotechniksparte vergr??erte Bosch durch die übernahme der Buderus AG 2003. Von anderen neuen Bereichen wie der 2008 gestarteten Solarenergiesparte trennte sich Bosch wieder.

Sichtkontrolle eines 6-Zoll-Wafers im Werk Reutlingen (1999). Auf einem heutigen Wafer k?nnen mehr als 1 000 Mikrochips für Schaltungen oder Sensoren hergestellt werden.
Sichtkontrolle eines 6-Zoll-Wafers im Werk Reutlingen (1999). Auf einem heutigen Wafer k?nnen mehr als 1 000 Mikrochips für Schaltungen oder Sensoren hergestellt werden.
Fertigung einer Junkers Gastherme für die Beheizung von Wohnr?umen. Mit der übernahme der Buderus AG vergr??erte Bosch die Thermotechniksparte erheblich. (2015)
Fertigung einer Junkers Gastherme für die Beheizung von Wohnr?umen. Mit der übernahme der Buderus AG vergr??erte Bosch die Thermotechniksparte erheblich. (2015)
Tunnelbohrmaschinen mit Hydraulikkomponenten von Bosch Rexroth werden zum Bau langer Gebirgstunnel eingesetzt. (2015)
Tunnelbohrmaschinen mit Hydraulikkomponenten von Bosch Rexroth werden zum Bau langer Gebirgstunnel eingesetzt. (2015)
Das energieautarke Solar Decathlon Haus, entwickelt von Experten der Technischen Universit?t Darmstadt in Kooperation mit Bosch, gewann 2007 den renommierten ?Solar Decathlon“ Preis in den USA.
Das energieautarke Solar Decathlon Haus, entwickelt von Experten der Technischen Universit?t Darmstadt in Kooperation mit Bosch, gewann 2007 den renommierten ?Solar Decathlon“ Preis in den USA.
Zeichnung eines Mannes, der auf einem Fahrrad bergauf f?hrt, daneben ein Display.

Smart schrauben, radeln, kühlen, lenken

Mit dem Elektroschrauber IXO, der sich überraschend schnell zum meistverkauften Elektrowerkzeug weltweit entwickelte, baute Bosch ab 2003 ein neues Gesch?ftsfeld kleiner sehr leichter Ger?te mit Lithium-Ionenakkus auf. Es entstanden auch v?llig neue Bereiche wie E-Bike-Antriebe 2011. Gleichzeitig baute Bosch traditionelle Bereiche aus, etwa durch übernahme bisheriger Gemeinschaftsunternehmen wie ZF Lenksysteme oder Bosch und Siemens Hausger?te – Voraussetzung für Zukunftsszenarien wie internetf?hige Hausger?te oder autonom fahrende Autos.

Der Lithium-Ionen-Akku machte es m?glich, den Ixo – der 2003 auf den Markt kam – sehr klein und handlich zu bauen.
Der Lithium-Ionen-Akku machte es m?glich, den Ixo – der 2003 auf den Markt kam – sehr klein und handlich zu bauen.
Fertigung von Elektromotoren für elektrisch angetriebene Fahrzeuge am Bosch-Standort Hildesheim (2015). Sie sind neben der Leistungselektronik, Invertern und Technik für Energierückgewinnung ein Kernstück der Elektromobilit?t der Zukunft.
Fertigung von Elektromotoren für elektrisch angetriebene Fahrzeuge am Bosch-Standort Hildesheim (2015). Sie sind neben der Leistungselektronik, Invertern und Technik für Energierückgewinnung ein Kernstück der Elektromobilit?t der Zukunft.

Automatisiertes Fahren

Testfahrzeug für automatisiertes Fahren mit umlaufender 360-Grad-Hochgeschwindigkeitskamera (2015)

Reisen mit dem Autopiloten

Automatisiertes Fahren ist keine blo?e Vision mehr. Bosch erforscht, entwickelt und erprobt diese Technik in Labors wie auch auf deutschen Autobahnen und kalifornischen Highways. Schon Im Jahr 2000 brachte Bosch ein Abstandsradar auf den Markt. Dessen Nachfolgesystem war so weiterentwickelt, dass im Stop-and-Go ein Auto automatisch bis zum Stillstand gebremst und beschleunigt werden konnte. Mit der Weiterentwicklung der Sensortechnik und Software wird es Schritt für Schritt bis etwa 2020 auf Autobahnen, 2025 auf Landstra?en und 2030 in der Stadt m?glich sein.

Foto: Testfahrzeug für automatisiertes Fahren mit umlaufender 360-Grad-Hochgeschwindigkeitskamera (2015)

Aufbruch in neue Terrains: IoT und Industrie 4.0

Das Internet der Dinge und Dienste er?ffnet viele neue Gesch?ftschancen für Bosch. Nicht nur traditionelle Produkte geh?ren dazu, auch Software, neue internetbasierte Gesch?ftsmodelle und Datensicherheit. Diese vier Felder zu verknüpfen, hat sich als langfristiges Unternehmensziel verfestigt. Das geht vom automatisierten Fahren über das Smart Home bis zur autonomen Kommunikation der Maschinen in einer Fabrik.

Pilotprojekt für eine Lades?uleninfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Singapur. Ziel ist optimale Software für ein kundenfreundliches und reibungsloses Ineinandergreifen von Landes?ulensuche, Ladevorgang und Abrechnung. (2011)
Pilotprojekt für eine Lades?uleninfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Singapur. Ziel ist optimale Software für ein kundenfreundliches und reibungsloses Ineinandergreifen von Landes?ulensuche, Ladevorgang und Abrechnung. (2011)
Analyse der laufenden Produktion. So gewonnene Daten helfen auf dem Weg zur vernetzten Welt der Industrie 4.0, in der Maschinen selbstst?ndig miteinander kommunizieren und damit Produktionsabl?ufe verbessern k?nnen.
Analyse der laufenden Produktion. So gewonnene Daten helfen auf dem Weg zur vernetzten Welt der Industrie 4.0, in der Maschinen selbstst?ndig miteinander kommunizieren und damit Produktionsabl?ufe verbessern k?nnen.
Weithin erkennbar auf der viel befahrenen Autobahn von Stuttgart nach München nahe dem Stuttgarter Flughafen: Der n?chtlich beleuchtete Bosch-Schriftzug mit der Bildmarke. Jeder Buchstabe ist acht Meter hoch.
Weithin erkennbar auf der viel befahrenen Autobahn von Stuttgart nach München nahe dem Stuttgarter Flughafen: Der n?chtlich beleuchtete Bosch-Schriftzug mit der Bildmarke. Jeder Buchstabe ist acht Meter hoch.
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